Nierensteine entfernen

Nierensteine entfernen: Was der Patient unbedingt wissen sollte

Nierensteine sind ein weit verbreitetes Problem. Etwa fünf Prozent der deutschen Bevölkerung hatten schon einmal mit Nierensteinen zu kämpfen oder leiden aktuell darunter. Dabei sind deutlich mehr Männer, als Frauen von Nierensteinen betroffen. Meist trifft es Erwachsene im Alter zwischen 20 und 50 Jahren. Kinder sind so gut wie nie betroffen. Bei etwa 25 Prozent aller Erkrankten kommen die Nierensteine immer wieder. Nierensteine sind dabei aufgrund der eiweißreichen Ernährung vor allem ein Problem der Industrieländer. Um das Risiko einer erneuten Nierenstein-Bildung zu reduzieren, empfehlen sich spezielle vorbeugende Maßnahmen. Durch eine Anpassung des Lebensstils und durch eine ausgewogene Ernährung lassen sich kleinere, bereits vorhandene Nierensteine entfernen und eine Neuentstehung vermeiden.

Etwa 80% der Nierensteine gehen von allein über den Harn ab, ohne dass der Patient es überhaupt bemerkt. Das ist beispielsweise immer dann der Fall, wenn der Stein nicht größer als ein Reiskorn ist. Die besten Chancen, den mitunter schmerzenden “Übeltäter” unproblematisch loszuwerden, hat der Betroffene, wenn der Stein noch unter 8 mm groß ist. Sogar nach einer Nierenkolik hat er noch die Möglichkeit, den Abgang des Steins über die Harnwege herbeizuführen, ohne dass ein operativer Eingriff notwendig ist.

Was sind Nierensteine und welche gibt es?

Nierensteine bestehen aus verklumpten Stoffwechsel-Abfallstoffen. Die Substanzen sind normalerweise im Urin gelöst und werden einfach über den Harn ausgeschieden. Der gesunde Körper verfügt über bestimmte Hemmstoffe, mit deren Hilfe er die Zusammenballung der Mineralsalze verhindert. Bei Menschen mit einer Veranlagung zu Nierensteinen ist das jedoch nicht der Fall, da sie an einer Stoffwechselstörung leiden.

Die Nierensteine lagern sich meist im Nierenbecken ab, wo sie dann im Laufe der Zeit durch weitere Mineralsalz Anhaftungen wachsen. Schließlich drücken sie gegen die Nierenbecken-Wand und verursachen starke, kolikartige Schmerzen. Mitunter beeinträchtigen sie sogar die Nierentätigkeit. Rutschen die Steine in den Harnleiter hinunter, können sie im schlimmsten Fall die Wände beschädigen – was zu Blutungen und starken Schmerzen führt. Bleiben sie dort stecken, behindern sie den Harnabfluss oder verursachen gar lebensgefährliche Harnstauungen.

Die meisten Nierensteine bestehen aus Kalzium-Oxalat (etwa 70%). Harnsäuresteine kommen in zirka 12% der Fälle vor. 9% der Nierensteine sind Kalzium-Phosphat, 8% Magnesium-Ammoniumsulfat Steine (Struvit). Außerdem gibt es noch Nierensteine aus Zystin (etwa 1%), Whewellit, Weddellit, Dahllit, Brushit und Xanthinsteine.

 

Woran erkennt man Nierensteine?

nierensteine entfernenNierensteine, die keine Schmerzen verursachen, werden oft erst durch Zufall auf dem Ultraschallbild entdeckt. Stecken sie jedoch in der Nieren-Wand fest, kommt es zu krampfartigen Schmerzen in der Bauchregion, die von den Lenden rechts oder links neben der Wirbelsäule bis in den Scham-Bereich ausstrahlen können. Die Schmerzen treten dabei wellenartig auf, strahlen bis in die Beine und den Rücken aus und werden ähnlich wie Wehen empfunden. Die anfallartig auftretenden Koliken wechseln sich mit schmerzfreien Krankheitsphasen ab.

Reiben die Steine an den Schleimhäuten der Harnwegsorgane, findet man im Harn geringe Mengen Blut. Kommt es jedoch zu Schüttelfrost, Fieber und Schweißausbrüchen ohne erkennbare Ursache, sollte der Patient schnellstens den Notarzt rufen, da es sich dabei um eine Harnweg-Entzündung handelt. Auch sie kann von dem Nierenstein verursacht worden sein und führt unbehandelt zu einer Blutvergiftung (Lebensgefahr!).

 

Nierensteine und Ernährung

Die meisten Menschen, die Nierensteine haben, wissen nicht, dass sie ihre Krankheit mit der richtigen Ernährung entscheidend beeinflussen können. Genauso wie bestimmte Nahrungsmittel – wenn sie in großer Menge verzehrt werden – die Bildung von Nierensteinen begünstigen, kann der Patient mit der richtigen Ernährungsweise dafür sorgen, dass die Steine den Körper baldmöglichst verlassen. Außerdem kann er damit das Risiko wiederkehrender Nierensteine deutlich reduzieren.

Eine ausgewogene Ernährungsweise sorgt dafür, dass die Entstehung von Nierensteinen deutlich gehemmt werden kann. Besonders wichtig ist dabei, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Mindestens zwei bis drei Liter Flüssigkeit pro Tag sorgen dafür, dass der Urin dünn genug bleibt, um die Entstehung von Nierensteinen zu erschweren. Denn wenn der Urin zu stark konzentriert ist, dann können sich Nierensteine bilden.

Ergänzend hierzu kann auf wasserhaltiges Obst und Gemüse zurück gegriffen werden, um den Flüssigkeitshaushalt im Körper aufzufüllen. Besonders viel davon findet sich in Gurken oder Melonen.

Tierische Eiweiße sollten nur in kleinen Mengen genossen werden. Wer mehr als 150 Gramm tierisches Eiweiß pro Tag zu sich nimmt, erhöht das Risiko, an Nierensteinen zu erkranken. Besondere Vorsicht ist bei Koffein und Alkohol geboten. Diese Substanzen wirken entwässernd. Die Folge: Man muss zwar öfter Wasser lassen, dafür ist der Urin deutlich konzentrierter und begünstigt so die Entstehung von Nierensteinen.

Bevor sich der Patient seine Nierenstein Diät zusammenstellt, sollte er jedoch beim Arzt feststellen lassen, wo sich der Nierenstein befindet und wie groß er bereits ist. Das geschieht mithilfe einer Computertomografie. Eine Laboranalyse des Blutes gibt Auskunft darüber, ob die Nieren normal funktionieren und ob der Stein bereits eine Infektion im Körper verursacht hat. Anhand einer Untersuchung des Urins findet der Arzt heraus, ob der Patient Blut im Harn hat.

Die schon abgegangenen Nierensteine – der Patient kann sie mit einem Sieb aus dem Urin fischen – werden mithilfe der Infrarotspektroskopie und einer Serum-Analyse auf ihre chemische Zusammensetzung untersucht. Mitunter ist sogar noch eine Stoffwechsel-Analyse notwendig. Das ist beispielsweise dann notwendig, wenn es sich bei dem Stein um einen Infekt-Stein handelt. Damit bezeichnet man Nierensteine, die immer wiederkehrende Harnwegsinfektionen auslösen. Die Stoffwechsel-Analyse wird außerdem noch bei bestimmten Krankheiten durchgeführt und wenn der Patient ein Kind oder eine schwangere Frau ist.

Wie man Nierensteine entfernen kann

Grundsätzlich gilt, dass Patienten mit diesem Leiden auf das Verzehren purinhaltiger Lebensmittel möglichst verzichten sollten. Die chemische Verbindung ist in Innereien, Hülsenfrüchten und in der Haut von Fischen und Geflügel enthalten. Sie wird im Körper zu Harnsäure abgebaut, die wiederum die Bildung von Harnsäure-Steinen begünstigt und auch das Risiko von Kalzium-Oxalat-Steinen erhöhen kann.

Bei oxalathaltigen Nierensteinen sollte der Kranke möglichst keinen Spinat, Mangold, schwarzen Tee, Rhabarber, Spargel und keine Rote Bete, Erdnüsse und Schokolade zu sich nehmen. Für alle Steine mit Ausnahme der Kalzium-Oxalat-Steine gilt, dass man sie mit viel Kalzium täglich positiv beeinflussen kann. Hat man jedoch einen Stein mit der genannten chemischen Zusammensetzung, sollte man nicht mehr als 1 Gramm Kalzium pro Tag zu sich nehmen. Durch das Kochen, Blanchieren etc. kann der Betroffene außerdem die Oxalat-Konzentration in oxalsäurereichen Lebensmittel verringern.

Der Konsum vieler basischer Lebensmittel kann ebenfalls dazu beitragen, den Säuregehalt im Urin zu reduzieren und die Steinbildner schnell auszuscheiden. Positiv wirken sich auch magnesiumhaltige Nahrungsmittel aus (Nüsse, Vollkorn-Getreide und bestimmte Sorten Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte). Vor dem Verzehr sollte man sich jedoch unbedingt darüber informieren, wie hoch ihr Oxalat-Gehalt ist. Patienten, die sich vegan oder vegetarisch ernähren, wird empfohlen, nur auf Pflanzen mit einem niedrigen Oxalat-Gehalt zurückzugreifen.

Auch eine ballaststoffreiche Ernährungsweise kann Kalzium-Oxalat-Kristalle und wasserlösliche Oxalate binden. Bestimmte Darmbakterien sind in der Lage, Oxalate abzubauen. Denselben Effekt hat die Zufuhr von viel Vitamin B6 und D. Zur Verbesserung der Darmflora können eine Darm-Sanierung und der Verzicht auf Süßigkeiten beitragen.

Das Risiko von Nierensteinen kann man außerdem mit einer Reduktionsdiät senken – falls der Patient an Übergewicht oder Adipositas leidet. Dazu empfiehlt sich eine ausgewogene Mischkost-Diät, die mit ausreichend körperlicher Bewegung kombiniert ist. Radikaldiäten sind nicht geeignet, da sie das Nierenstein-Risiko wegen ihrer Bevorzugung bestimmter Lebensmittel sogar noch erhöhen.

Wichtig ist ebenfalls, dass der Patient zur schnelleren Ausscheidung des Steins und Verdünnung der steinbildenden Stoffe viel Flüssigkeit zu sich nimmt. Normalerweise reicht eine Menge von 2,5 bis 3 Litern täglich über den Tag verteilt aus. Bei Cystin-Steinen werden 3,5 bis 4 Liter pro Tag empfohlen. Gut geeignet sind Nieren und Blasen-Tee, Apfelsaft, Fruchtsaft, Früchtetee, kohlensäurearme Mineralwasser und Kräutertees. Bei Kalzium-Oxalat und Harnsäure-Steinen empfiehlt sich bikarbonatreiches Mineralwasser mit einem HCO3- Gehalt von 1,5 g/l. Verzichten sollte der Patient jedoch auf Kaffee, schwarzen Tee, Cola, Limonade und Alkohol.

Hat der Patient Nierenschmerzen, erhält er vom behandelnden Arzt Schmerzmittel, die oft zugleich krampflösend und entzündungshemmend sind. Außerdem helfen warme Bäder, warme Umschläge, Heizkissen und Wärmflaschen, die Beschwerden zu lindern. Sie beruhigen die Nieren und tragen zum schnelleren Abgang des Nierensteins bei.

Bei Kalziumoxalat und Harnsäuresteinen kann die tägliche Einnahme von Alkali-Zitraten wie Uralyt-U dazu beitragen, dass sich die Steine schneller auflösen und der Urin insgesamt weniger säurehaltig ist. Außerdem sorgt das Medikament dafür, dass sich die Mineralsalze nicht verklumpen. Allopurinol reduziert den Harnsäure-Gehalt im Blut und hilft, manche Steinarten schon im Vorfeld zu verhindern. Die Verabreichung von Alpha-Blockern sorgt für einen schnelleren Abgang der Steine. Auch mehr körperliche Bewegung (Hüpfen, Treppensteigen etc.) kann das Lösen des Steins beschleunigen und die Anlagerung weiterer Steine hemmen.

Wichtig ist, dass der Patient während der gesamten Dauer der Selbstbehandlung unter ständiger Kontrolle des behandelndes Arztes ist. Er stellt fest, ob der Stein schon kleiner geworden oder gewandert ist und ob die Gefahr einer Harnstauung durch einen festsitzenden Nierenstein besteht.